Variables Immundefektsyndrom (CVID)

Definition

Bei Patienten mit einem CVID enthält das Blutserum, als flüssiger Teil des Blutes nur wenige („Hypogammaglobulinämie“) oder überhaupt keine („Agammaglobulinämie“) Immunglobuline/ Antikörper. Die Betroffenen leiden in Folge unter einer höheren Infektionsgefahr. Die Anzahl der Antikörper-produzierenden Zellen (B-Lymphozyten) liegt für gewöhnlich im normalen Bereich. Allerdings durchlaufen diese nicht den normalen Prozess der Zellreifung und können somit später keine Immunglobuline herstellen.

Der Name CVID verrät bereits einiges über die Erkrankung:

  • CVID ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Common Variable Immunodeficiency“, also wörtlich „häufig auftretender variabler Immundefekt“. Es handelt sich dabei um einen relativ häufigen PID von dem ca. 1 von 25.000 Personen betroffen ist.
  • Viele Aspekte des CVID variieren interindividuell (z.B. Grad und die Art des Antikörpermangels, der Schweregrad der Zeichen und Symptome und der Ersterkrankungszeitpunkt (Kindheit, Jugend oder Erwachsenenalter)).
  • Da ein CVID möglicherweise später als andere Arten von primären Immundefekten diagnostiziert wird, bezeichnet man ihn auch als erworbene „Agammaglobulinämie“. Außerdem ist dieser Defekt auch unter dem Begriff („Late onset“) „Hypogammaglobulinämie“ bekannt, weil der Defekt manchmal auch erst im Erwachsenenalter auftritt.
  • Die genaue Ursache dieser Erkrankung konnte bislang noch nicht erforscht werden. Aktuelle Studien konnten aber die Beteiligung einer kleinen Gruppe von Genen nachweisen.

Symptome

Die ersten Symptome treten bei manchen CVID-Patienten bereits im frühen Kindesalter auf, bei vielen anderen hingegen erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt – manchmal sogar noch später. Die häufigsten Symptome sind wiederkehrende Infektionen der Ohren, Nasennebenhöhlen, Nase, Bronchien und der Lunge. (Wiederholte schwere Lungenentzündungen können zu einer dauerhaften Erweiterung und Vernarbung der Bronchien führen – diese chronische Erkrankung nennt sich Bronchiektasie.)

Bei CVID-Patienten treten zusätzlich oft vergrößerte Lymphknoten am Hals, Brust- oder im Bauchbereich auf. Auch die Milz, welche als Organ am Immunsystem beteiligt ist, kann sich vergrößern. Außerdem können sich Lymphozyten im Darm ansammeln und sogenannte Peyer-Plaques bilden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr im Darm und bei der Verbreitung immunologischer Informationen.

Auch eine Polyarthritis – schmerzhafte Schwellungen der Gelenke – kann sich bei CVID-Patienten entwickeln. Am häufigsten sind hiervon größere Gelenke wie die Knie, Knöchel, Ellbogen und Handgelenke betroffen.

Außerdem treten oft Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Gewichtsverlust auf.

Zusätzlich besteht bei Patienten mit CVID ein erhöhtes Krebsrisiko, wobei sich die Tumore meist an den lymphatischen Organen und im Magen-Darm-Trakt befinden.

Diagnose und Behandlung

Treten bei einem Kind oder Erwachsenen immer wieder Infekte der Ohren, Nasennebenhöhlen, Bronchien oder der Lunge auf, sollte der Arzt auf das Vorliegen einer CVID untersuchen. Die endgültige Sicherheit gibt allerdings erst ein Bluttest, der eine niedrige Konzentration an Immunglobulinen, darunter IgG, IgA und manchmal IgM, im Serum nachweist. Außerdem wird durch spezielle Labortests geprüft, ob die B-Lymphozyten und die T Lymphozyten ordnungsgemäß funktionieren. Ein weiterer Bestandteil der Diagnosestellung bei einem CVID ist die Messung der Konzentration von Antikörpern gegen Impfstoffe (z.B. Tetanus, Diphtherie und Pneumokokken).

XLA (x-chromosomal vererbte Agammaglobinämie, Bruton-Syndrom)

Definition

XLA ist ein erblich bedingter primärer Immundefekt, bei dem eine Mutation (Veränderung) des Gens vorliegt, das die normale Entwicklung von B-Lymphozyten steuert. Das für die Mutation verantwortliche Erbmaterial befindet sich auf dem X-Chromosom, weshalb die Erkrankung auch als „x-chromosomal vererbte Agammaglobulinämie“ bezeichnet wird. Die geschilderte Mutation führt dazu, dass sich die B-Lymphozyten nicht zu Plasmazellen entwickeln können. Weil diese Plasmazellen fehlen, kommt es folglich bei Patienten mit XLA zu einem schweren Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen).

Die normale Entwicklung von Plasmazellen läuft in mehreren Schritten ab und beginnt mit den sogenannten Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden. Diese produzieren unreife weiße Blutkörperchen (Lymphozyten), welche als „Pro-B-Lymphozyten“ bezeichnet werden und sich zu „Prä-B-Lymphozyten“ entwickeln. Diese Prä-B-Lymphozyten bilden dann B-Lymphozyten, auch B-Zellen genannt. Die B-Lymphozyten reifen zu Plasmazellen heran. Wenn die Plasmazellen dann auf verschiedene krankheitsverursachende Substanzen treffen, produzieren sie für die jeweilige Substanz spezifische Immunglobuline. XLA war eine der ersten PID-Unterart die entdeckt wurde und wird, nach Ihrem Entdecker Bruton, häufig auch als „Bruton-Syndrom“ bezeichnet. Es handelt sich um eine angeborene Agammaglobulinämie, da der betroffene Patient von Geburt an nicht in der Lage ist, Antikörper zu produzieren.

XLA wird in einer Familie X-chromosomal-rezessiv vererbt. Der genetische Defekt bei XLA liegt auf dem X-Chromosom, was bewirkt, dass hiervon nur das männliche Geschlecht betroffen ist. Allerdings wurden in den letzten Jahren zusätzlich Fälle bekannt, bei denen auch ein XLA ähnlicher Immundefekt bei Mädchen bzw. Frauen auftrat. Da das Gen, das eine XLA verursacht, bekannt ist, können sich weibliche Verwandte von XLA-Patienten darauf testen lassen, ob sie das Gen in sich tragen. In manchen Fällen kann auch getestet werden, ob der Fötus einer Trägerin des XLA-Gens mit dieser Erkrankung auf die Welt kommen wird.

Symptome

Menschen mit XLA leiden häufig an Infektionen der Nasennebenhöhlen, der Ohren, der Atemwege bis hinab zu der Lunge. Zudem kann es zu Infektionen der Blutbahn oder der inneren Organe kommen. Auch Infekte des Magen-Darm-Trakts, vor allem ein Befall mit „Giardien“, einem Parasit, stellt ein Problem dar. Außerdem haben XLA-Patienten manchmal Probleme mit Hautinfektionen.

Die ärztliche Untersuchung von XLA-Patienten lässt meist sehr kleine Mandeln und Lymphknoten (Drüsen am Hals) finden. Grund dafür ist, dass die Mandeln und die Lymphknoten zum größten Teil aus B Lymphozyten bestehen. Bei Menschen mit XLA führt der durch den Gendefekt ausgelöste Mangel an B Lymphozyten zu einer reduzierten Größe dieser Gewebe.

Diagnose und Behandlung

Bei der Untersuchung auf XLA wird zuerst ein Bluttest durchgeführt, bei dem die Konzentration der Immunglobuline überprüft wird. Bei den meisten Menschen mit XLA liegen die Immunglobuline (IgG, IgM und IgA) nur in kleinen Mengen vor oder fehlen ganz.1

Bei Verdacht auf XLA untersucht der Arzt mit einem zusätzlichen Bluttest den prozentualen Anteil der B Zellen. Das sind die Immunzellen, die bei einem XLA nicht produziert werden. Eine niedrige Anzahl an B Zellen im Blut gilt als der verlässlichste Hinweis auf XLA.1

Die Diagnose kann zusätzlich durch einen Test abgesichert werden. Hier wird das Fehlen des „Bruton-Tyrosinkinase“ (BTK) Proteins oder eine Anomalie (Fehlentwicklung) des BTK-Gens nachgewiesen.1

IgG-Subklassen-Mangel

Definition

Es gibt fünf Klassen von Immunglobulinen (Ig): IgG, IgA, IgM, IgD und IgE. Immunglobuline (Antikörper), bekämpfen Infektionen. Die meisten Antikörper, die sich im Blut bzw. in anderen Körperflüssigkeiten befinden, gehören zur IgG-Klasse. IgG- wiederum ist unterteilt in vier Subklassen: IgG1, IgG2, IgG3 und IgG4. Man spricht von einem IgG-Subklassen-Mangel, wenn eine oder zwei IgG-Subklassen überhaupt nicht oder in nur sehr geringen Mengen vorliegen. Dabei liegen die Konzentrationen der anderen Immunglobuline im Normalbereich.

Zwar besitzt jede IgG-Subklasse Antikörper, aber die Antikörper jeder Subklasse reagieren jeweils unterschiedlich und spielen eine etwas andere Rolle beim Infektionsschutz. Dies bedeutet, dass der Mangel an einer bestimmten IgG-Subklasse bei einer Person die Anfälligkeit für bestimmte Infektionen erhöht, für andere hingegen nicht. So enthalten die Subklassen IgG1 und IgG3 viele Antikörper gegen Giftstoffe (Toxine), welche von Bakterien produziert werden (z.B. Diphtherie- und Tetanus-Bakterien), sowie gegen Viren. IgG2-Antikörper wiederum wirken hauptsächlich gegen Streptokokken (Streptococcus pneumoniae) und das Bakterium „Haemophilus influenzae“, welches viele unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen kann.

Das im Blut zirkulierende IgG setzt sich aus 60 – 70 % IgG1, 20 – 30 % IgG2, 5 – 8 % IgG3 und 1 – 3 % IgG4 zusammen. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Menge der verschiedenen IgG-Subklassen in der Blutbahn. Vor allem bei der Testung auf abnormale Subklassen–Spiegel bei Kindern muss diese Tatsache in Betracht gezogen werden. . Abnormalität bedeutet, dass die IgG-Subklasse entweder in zu geringer Menge vorhanden oder nicht in der Lage ist, einen bestimmten Antikörper zu produzieren.

Symptome

Wiederkehrende Infekte der Ohren, Nasennebenhöhlen, Bronchien und der Lunge sind die häufigsten Erkrankungen bei Patienten mit IgG-Subklassen-Mangel. Sowohl das männliche als auch das weibliche Geschlecht können betroffen sein. Bei manchen Menschen kommt es schon in jungen Jahren vermehrt zu Infektionen, bei anderen hingegen erst später im Leben. Bei Kindern mit IgG-Subklassen-Mangel ist es oft so, dass der Arzt wegen häufiger Ohrenzündungen Verdacht schöpft. Mit zunehmendem Alter des Kindes kann es dann wiederholt zu Nasennebenhöhlenentzündungen, Bronchitis und/oder Lungenentzündung kommen. Diese können einen chronischen Verlauf nehmen.

Bei Kindern ist der IgG2-Subklassen-Mangel am häufigsten, bei Erwachsenen hingegen der IgG3-Subklassen-Mangel. Ein IgG4-Mangel tritt häufig in Kombination mit einem IgG2-Mangel auf.1

Diagnose und Behandlung

Ein selektiver IgG-Subklassen-Mangel wird angenommen, wenn die Konzentration einer oder mehrerer IgG-Subklassen im Blut unter dem für das entsprechende Alter geltenden Normalbereich liegt. Die anderen Immunglobuline (Gesamt-IgG, IgA und IgM) liegen hingegen in normaler oder annähernd normaler Konzentration vor.

Es kann vorkommen, dass eine oder mehrere IgG-Subklassen überhaupt nicht oder nur in sehr geringen Mengen vorliegen, gleichzeitig aber die Konzentration des Gesamt-IgG normal ist. So muss für eine genaue Diagnosestellung, neben den Konzentrationen von IgG, IgA und IgM, auch die der IgG-Subklassen im Blutserum gemessen werden.

Dabei wird immer berücksichtigt, dass die Definition „normaler“ IgG-Subklassen-Konzentrationen abhängig vom Lebensalter ist. Zusätzlich können die Werte von Labor zu Labor schwanken. Unter Normalwerten versteht man für gewöhnlich einen kleinen Bereich unterhalb bis oberhalb der für das betreffende Alter der Person geltenden Durchschnittswerte. Eine weitere Untergruppe von Patienten weist normale Immunglobulin-Spiegel und normale Werte der IgG-Subklassen auf. Trotzdem sind sie nicht in der Lage, bei einer Infektion mit Streptococcus pneumoniae oder einer Impfung gegen diese Bakterien schützende Antikörper zu produzieren. Bei den Betroffenen geht man von einem spezifischen Antikörpermangel aus; sie werden meist in einer Gruppe mit Patienten mit IgG-Subklassen-Mangel zusammengefasst.

Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung individuell für Sie die richtige ist und auf welche spezifischen gesundheitsrelevanten Anforderungen bei Ihnen zu achten ist.

Hyper-IgM-Syndrom (HIGMS, auch HIGM-Syndrom)

Definition

Menschen mit dem Hyper-IgM-Syndrom (HIGMS) weisen zu viel („Hyper“) IgM im Blut auf. Gleichzeitig haben sie aber zu niedrige Konzentrationen anderer Immunglobuline, einschließlich IgG und IgA. Dies ist dann der Fall, wenn der Körper nicht in der Lage ist, neben IgM auch andere Antikörper herzustellen. Die B-Lymphozyten (B-Zellen) können selbstständig IgM produzieren, brauchen hingegen die Anweisung der T-Lymphozyten (T-Zellen), um die Produktion von IgM auf IgG, IgA oder IgE umzustellen.1

Es gibt eine Reihe von genetischen Defekten, die zu einem HIGM-Syndrom führen:

  • Die häufigste Form des HIGM-Syndroms wird durch einen Defekt oder Mangel eines Proteins auf der Oberfläche der T Zellen verursacht. Dies hat zur Folge, dass die T Zellen die B-Zellen nicht anweisen können, die Produktion von IgM auf IgG, IgA oder IgE umzustellen. Diese Form des HIGM-Syndroms wird als „X-chromosomales Hyper-IgM-Syndrom“ (XHIGMS) bezeichnet. Es wird X-chromosomal-rezessiv vererbt und tritt deshalb üblicherweise nur bei Jungen auf.1
  • Andere Formen des HIGM-Syndroms werden autosomal-rezessiv vererbt und treten sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Geschlecht auf. Bei den autosomal-rezessiven Formen des HIGMS muss das Gen auf beiden Chromosomen betroffen sein, damit die Krankheit ausbricht. Somit treten diese seltener auf als die X-chromosomal vererbten Formen.1
  • Die letzte Form des HIGM-Syndroms ist mit einer Hautkrankheit verbunden, der so genannten „ektodermalen Dysplasie“. Sie führt bei den Patienten zu spärlichem Haarwuchs und zapfenförmigen Zähnen sowie zu wiederkehrenden Infektionen. Auch diese Form wird X-chromosomal vererbt und betrifft ein Molekül, das benötigt wird, um das Signal für die Umstellung der Immunglobulin-Produktion zu geben.1

Symptome

Die Symptome entwickeln sich bei den meisten Kindern mit einem HIGM-Syndrom während des ersten oder zweiten Lebensjahres. Das häufigste Problem ist ein erhöhtes Infektionsrisiko, vor allem wiederkehrende Infekte der oberen und unteren Atemwege. Meist werden die Infektionen durch Bakterien hervorgerufen; die Ursache können aber auch Viren oder Pilze sein. Bei einigen Patienten kommt es auch zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und mangelhafte Nährstoffaufnahme durch den Dünndarm (Malabsorption).

Bei Jungen mit dem XHIGM-Syndrom kann sich eine opportunistische (= durch das geschwächte Immunsystem ermöglichte) Form der Lungenentzündung oder ein Magen-Darm-Infekt entwickeln, der zu schweren Lebererkrankungen führen kann. Rund die Hälfte der Patienten mit einem XHIGM-Syndrom entwickeln einen Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie), der mit Mundgeschwüren, Entzündungen und Geschwürbildungen im Mastdarm und Hautinfektionen einhergeht. Bei Patienten mit autosomal-rezessivem HIGM-Syndrom kommt es häufiger zu einer Vergrößerung der Lymphknoten als bei Patienten mit anderen Arten von primären Immundefekten. Dementsprechend weisen diese Patienten oft auch vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln auf, was zu Schnarchen und Atemstillstand während des Schlafs (obstruktive Schlafapnoe) führen kann. Auch Autoimmunerkrankungen können bei HIGM-Patienten auftreten. Dabei greift das Immunsystem den eigenen Körper an.

Bei Patienten mit autosomal-rezessivem HIGM-Syndrom kommt es häufiger zu einer Vergrößerung der Lymphknoten als bei Patienten mit anderen Arten von primären Immundefekten. Dementsprechend weisen diese Patienten oft auch vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln auf, was zu Schnarchen und Atemstillstand während des Schlafs (obstruktive Schlafapnoe) führen kann. Auch Autoimmunerkrankungen können bei HIGM-Patienten auftreten. Dabei greift das Immunsystem den eigenen Körper an.

Diagnose & Behandlung

Der Verdacht auf ein HIGM-Syndrom besteht, wenn es bei einem Patienten immer wieder zu schweren Atemwegsinfekten oder zu einer opportunistischen Infektion kommt. Zusätzlich zeigen die Blutuntersuchungen einen normalen oder erhöhten IgM-Spiegel und wenig bis gar kein IgG an. Letztendlich kann die Diagnose nur nach einer Analyse der DNA des Betroffenen gestellt werden. So werden Mutationen in den Genen entdeckt, die bekanntermaßen HIGMS verursachen.

Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung individuell für Sie die richtige ist und auf welche spezifischen gesundheitsrelevanten Anforderungen bei Ihnen zu achten ist.

Selektiver IgA-Mangel

Definition

Beim selektiven IgA-Mangel liegt ein Mangel an IgA vor, während die Konzentrationen der anderen Immunglobuline meist im normalen Bereich liegen. Die meisten Betroffenen zeigen durch diesen Mangel keine Krankheitssymptome, währenddessen bei anderen eine Reihe schwerer gesundheitlicher Probleme auftreten. Häufig wird der IgA-Mangel allerdings nicht diagnostiziert, weil die Erkrankten aufgrund ihres geringen oder fehlendenden Leidensdruck nur selten einen Arzt aufsuchen.

Das Immunglobulin IgA ist spezialisiert auf die Abwehr von Antigenen an den Oberflächen der menschlichen Schleimhäute. Diese befinden sich in Mund, Ohren, Nase bzw. in den Nasennebenhöhlen, Rachen, Atemwegen, Magen-Darm-Trakt, Augen und Genitalien.

Die IgA-Antikörper werden über Sekrete an die Schleimhäute transportiert und helfen so vor Infektionen zu schützen. Deswegen wird IgA auch als sekretorischer Antikörper bezeichnet. Da die Schleimhaut eines Menschen der Fläche von 1,5 Tennisplätzen entspricht, kann man die Bedeutung des IgA beim Schutz dieser Oberflächen gar nicht hoch genug einschätzen.

Personen mit einem selektiven IgA-Mangel können zwar kein IgA, aber sonst alle anderen Immunglobuline produzieren. Zudem funktionieren die übrigen Bestandteile des Immunsystems einwandfrei. Die Ursachen für einen selektiven IgA-Mangel konnten bislang noch nicht gefunden werden. Es werden eine Reihe von unterschiedlichen Faktoren angenommen, die interindividuell variieren.

Eine niedrige Konzentration von IgA im Blutserum oder sogar ein kompletter Mangel an IgA ist relativ häufig. Bei den meisten Betroffenen führt dieser niedrige IgA-Serumspiegel zu keiner erkennbaren Krankheit. Bei anderen wiederum treten Symptome auf, die dem eines variablen Immundefektsyndroms (CVID) ähneln.

Symptome

Der selektive IgA-Mangel ist der häufigste primäre Immundefekt. Er tritt schätzungsweise bei 1 von 500 Kaukasiern auf. Die meisten Menschen mit selektivem IgA-Mangel wirken gesund oder haben nur relativ leichte Erkrankungen, so dass die Diagnose möglicherweise nie gestellt wird. Gleichzeitig aber gibt es auch Menschen mit selektivem IgA-Mangel, welche unter schweren Krankheitssymptomen leiden.

Bei einem selektiven IgA-Mangel besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Etwa die Hälfte der Patienten mit selektivem IgA-Mangel, welche ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, leiden wiederholt an Infektionen der Ohren, der Nasennebenhöhlen und Bronchien sowie an Lungenentzündungen. Bei einigen anderen Patienten mit selektivem IgA-Mangel kommt es zu Infektionen des Magen-Darm-Trakts und zu hartnäckigem Durchfall. Diese häufig auftretenden Infektionen betreffen vor allem die Oberflächen der Schleimhäute, welche eigentlich vom IgA geschützt werden. Durch eine häufige Reizung der Schleimhäute können die Infektionen chronisch werden. Manchmal lassen sich die Infektionen durch eine ärztliche Behandlung nicht komplett beseitigen, und es kann vorkommen, dass die Patienten länger als Gewöhnlich Antibiotika einnehmen müssen.

Ein zweites großes Problem beim selektiven IgA-Mangel ist die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen. Diese kommen bei 25 % bis 33 % der Patienten mit selektivem IgA-Mangel vor, die einen Arzt aufsuchen. Bei einer Autoimmunerkrankung werden Antikörper produziert, die die körpereigenen Gewebe angreifen und zu Entzündungen und Schäden des Körpers führen.

Möglicherweise treten Allergien bei Menschen mit selektivem IgA-Mangel häufiger auf, als in der Allgemeinbevölkerung. Die Rate liegt bei 10 % – 15 % und die Allergiearten variieren. Eine der häufigsten allergischen Erkrankungen, die bei einem selektiven IgA-Mangel auftreten, ist Asthma. Auch Lebensmittelallergien können mit einem IgA-Mangel verbunden sein.

Im Falle einer Behandlung mit Blutprodukten besteht bei Patienten mit selektivem IgA-Mangel ein erhöhtes Risiko einen anaphylaktischen Schock (Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems) zu bekommen oder in eine lebensbedrohliche Situation zu geraten. Dies schließt auch die intravenöse Gabe von Immunglobulinen ein, da diese Produkte etwas IgA enthalten können.

Diagnose und Behandlung

Andauernde, häufig auftretende Infektionen, Allergien, Autoimmunerkrankungen und chronischer Durchfall sowie eine Kombination dieser Beschwerden können beim Arzt den Verdacht auf einen selektiven IgA-Mangel wecken. Die Diagnose gilt als gesichert, wenn im Labortest eine niedrige IgA-Konzentration im Blutserum der betroffenen Person festgestellt wird, die anderen Immunglobuline (IgG und IgM) aber normale Konzentrationen aufweisen.

Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung individuell für Sie die richtige ist und auf welche spezifischen gesundheitsrelevanten Anforderungen bei Ihnen zu achten ist.

Schwerer kombinierter Immundefekt (SCID)

Definition

Beim SCID (ausgesprochen ‚Skid‘) handelt es sich um ein seltenes Krankheitsbild mit vielen verschiedenen genetischen Ursachen. Er gilt im Allgemeinen als der schwerwiegendste primäre Immundefekt. Bekannt sind derzeit mindestens 12 genetische Ursachen für einen SCID. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Mutationen an den Genen, welche den SCID verursachen und im Vererbungsmuster. Sie haben alle eine schwere funktionelle Beeinträchtigung der T Zellen und der B Zellen gemeinsam. Bei vielen Erkrankten sind außerdem zusätzlich noch andere Zellen des Immunsystems beteiligt.

Symptome

Das häufigste Symptom bei Kindern mit einem SCID ist eine hohe Infektionsrate. Bei den Infektionen handelt es sich nicht um die üblichen Arten von Infektionen, wie sie bei Kindern mit einem normal funktionierenden Immunsystem auftreten (z.B. Erkältung). Bei Kindern mit SCID treten zusätzlich schwerwiegende sowie manchmal lebensbedrohliche Infektionen (z.B. Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Infektionen des Blutkreislaufs) auf. Die weit verbreitete Anwendung von Antibiotika erschwert es den Ärzten einen SCID nachzuweisen.

Kinder mit einem SCID sind anfällig für die gleichen Infektionen, an denen auch Kinder mit einem gesunden Immunsystem erkranken. Darüber hinaus besteht jedoch das Risiko, dass sie Infektionen durch Organismen wie das Windpocken-Virus oder Impfstoffe entwickeln, die bei gesunden Kindern keine schädliche Wirkung haben. Ein sehr gefährlicher Erreger ist ein bestimmter Pilz, der bei SCID-Patienten eine rasch tödlich verlaufende Form der Lungenentzündung auslösen kann, wenn diese nicht umgehend diagnostiziert und behandelt wird.

Kinder mit SCID sind zudem auch anfällig für schwer behandelbare Hefepilzinfektionen. Es kann sein, dass diese Infektionen sich zwar verbessern, aber nicht völlig zurückgehen. Meistens kommen sie wieder sobald die Medikamente abgesetzt wurden.

Darüber hinaus kann es bei Kindern mit SCID zu einem anhaltenden Durchfall kommen, was zu Wachstumsstörungen und einer Mangelernährung führen kann.

Diagnose und Behandlung

Ein erster Verdacht auf einen SCID entsteht normalerweise, wenn ein Kind schwerwiegende Infektionen entwickelt, die mit einem SCID in Verbindung gebracht werden. In manchen Fällen besteht schon eine Verdachtsdiagnose, weil bereits ein anderes Kind in der Familie an einem SCID erkrankt ist.

Für die Diagnose sind zwei Bluttests erforderlich. Der Erste ist ein großes Blutbild. Der zweite Test ermöglicht es dem Arzt, die Anzahl der Lymphozyten im Blut zu bestimmen. Wenn die Konzentration der Lymphozyten zu niedrig ist, werden zur Absicherung der Diagnose zusätzliche Tests durchgeführt, um so die Anzahl und Funktion der T-Zellen zu bestimmen.

In dem Fall, dass ein Geschwisterteil an SCID erkrankt ist und man die spezifische Mutation der Gene kennt, kann ein SCID sogar schon vor der Geburt festgestellt werden. Durch eine Fruchtwasseruntersuchung können Zellen gewonnen werden, an denen dann weitere Gentests durchgeführt werden.

Die frühzeitige Diagnose eines SCID ist äußerst wichtig, damit das Kind überhaupt erst keine Infektionen entwickeln kann. Wenn innerhalb der ersten drei Lebensmonate eine Knochenmarktransplantation durchgeführt wird, liegt die Erfolgsrate bei 94 %. In den USA wird inzwischen bei etwa der Hälfte der Neugeborenen ein Test auf SCID durchgeführt. Wenn man solche Tests (Screening) routinemäßig durchführt, könnte ein SCID bei beinahe jedem betroffenen Kind innerhalb weniger Tage nach der Geburt diagnostiziert werden.

Leben mit einem SCID

Bei Kindern mit einem SCID muss der Kontakt mit fremden Kindern vermieden werden. Wenn es Geschwister gibt, die mit anderen Kindern in Kontakt kommen (z.B. Kindergarten, Schule), besteht die größte Gefahr darin, dass sie Windpocken mit nach Hause bringen. Dieses Risiko wurde durch die weit verbreitete Impfung gegen Windpocken reduziert, dennoch sollten Eltern dafür sorgen, dass sie von der Schule informiert werden, wenn dort Windpocken auftreten.

Kinder, die mit einem Lebendimpfstoff gegen Polio immunisiert wurden, können das Virus an ein Kind mit SCID weitergeben. Folglich wird bei Geschwistern der Erkrankten eine Schutzimpfung mit einem Totimpfstoff angeraten.

Kinder mit SCID sollten so lange keine Lebendimpfstoffe (z.B. gegen Rotaviren, Windpocken, Mumps, Masern, Polio oder BCG) erhalten, bis ihr Immunstatus erhoben wurde. Geschwister der Erkrankten sollten vor allem nicht den Lebendimpfstoff gegen Rotaviren bekommen.

Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS)

Definition

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) ist ein primärer Immundefekt, der sowohl die T als auch die B Lymphozyten betrifft. Zudem liegen die Blutplättchen (mitverantwortlich für die Blutgerinnung) in verringerter Anzahl und Größe vor. Bei Menschen mit WAS kommt es häufig zu Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilzen, zu Ekzemen und zu einer erhöhten Blutungsneigung. WAS wird entweder durch eine Genmutation verursacht oder durch einen Fehler in dem Gen, welches für die Produktion des Wiskott-Aldrich-Protein (WASP) zuständig ist. Dieses befindet sich auf dem X Chromosom. Da der Gendefekt X chromosomal-rezessiv vererbt wird, können am WAS nur Jungen erkranken. Das WAS drückt sich durch ein klassisches Muster an Symptomen aus:

  1. Erhöhte Blutungsneigung aufgrund einer deutlich verringerten Anzahl an Blutplättchen
  2. Wiederkehrende Bakterien-, Virus- und Pilzinfektionen
  3. Hautekzeme

Symptome

WAS-Patienten können unterschiedliche Symptome entwickeln. Manche leiden an allen drei klassischen Symptomen, bei anderen kommt es nur zu einer geringen Anzahl an Blutplättchen und zu einer erhöhten Blutungsneigung. Alle Symptome sind auf die Mutation im WAS-Gen zurückzuführen.

Blutungen:
Charakteristische Merkmale für ein WAS sind verkleinerte Blutplättchen und eine verminderte Anzahl dieser. Die geringe Größe der Blutplättchen tritt ausschließlich beim WAS auf, so dass es für die Diagnosestellung hilfreich ist, wenn sie nachgewiesen werden kann. Blutungen in die Haut können bläulich-rote Punkte verursachen, die sich im Größenbereich von einem Stecknadelkopf bis hin zu großen Blutergüssen bewegen. Bei Jungen mit WAS kann es auch zu Blut im Stuhl (vor allem im Säuglingsalter), Zahnfleischbluten und langanhaltenden Nasenbluten kommen. Eine besonders gefährliche Komplikation sind Gehirnblutungen.

Infektionen:
Wegen der funktionellen Beeinträchtigung der B- und T-Lymphozyten treten beim WAS häufig Infektionen auf. Diese betreffen üblicherweise die Nasennebenhöhlen, die Ohren und die Lunge. Außerdem kann es auch zu schweren Infektionen der Blutbahn, zu einer Gehirnhautentzündung oder schweren Virusinfektionen kommen.

Ekzeme:
Menschen mit klassischem WAS leiden häufig an Ekzemen (entzündliche Veränderungen der Haut). Bei Säuglingen können die Ekzeme wie Milchschorf oder schwerer Windelausschlag aussehen. Bei älteren Jungen können sie sich auf die Hautfalten an den Ellbogen-, den Handgelenken, am Hals sowie auf die Kniekehle beschränken.

Autoimmune Manifestation:
„Autoimmunartige“ Symptome sind Beschwerden, die dadurch entstehen, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet. Diese sind bei Kindern wie bei Erwachsenen mit WAS häufig zu beobachten. Am häufigsten sind dabei Entzündungen der Blutgefäße und die Zerstörung der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen.

Diagnose und Behandlung

Da die Anomalien der Blutplättchen beim WAS fast immer vorliegen, können diese selbst aus dem Blut der Nabelschnur kurz nach der Geburt diagnostiziert werden. Hierbei bestimmt man die Anzahl und Größe der Blutplättchen. Beim WAS sind die Blutplättchen deutlich kleiner als normal. Bei Kindern über zwei Jahre kann die Diagnose außerdem anhand der Häufigkeit von Infektionen und über Störungen des Immunsystems gefestigt werden.

Um die Diagnose abzusichern, wird das Fehlen des WAS-Proteins in den Blutzellen oder der Nachweis einer Mutation im WAS-Gen nachgewiesen.

DiGeorge-Syndrom

Definition

Das DiGeorge-Syndrom ist ein PID, der auf einer gestörten Entwicklung bestimmter Gewebe während der Entwicklung im Mutterleib beruht. Der Defekt kann die Thymusdrüse betreffen und die Produktion von T Lymphozyten beeinträchtigen. Bei den meisten Menschen mit dem DiGeorge-Syndrom liegt ein genetischer Defekt auf dem Chromosom 22 vor. Dies führt zu einer Anomalie der Zellen und der Gewebebildung und in der Folge zu Defekten in den betroffenen Organen. Welche Organe wie stark betroffen sind, ist individuell unterschiedlich.1

Symptome

Beim DiGeorge-Syndrom können folgende Symptome auftreten (eines, mehrere oder alle):

  • Auffälligkeiten des Gesichts:
    Ein relativ kleiner Kopf und auffällige Gesichtsform mit kleinem Mund und Kinn sowie eine schräg nach außen ansteigenden Augenform, zudem tiefsitzende und abstehende Ohren. 1
  • Anomalien der Nebenschilddrüse:
    Eine unterentwickelte Nebenschilddrüse kann einen „Hypoparathyreoidismus“ zur Folge haben. Das hat vor allem Auswirkungen auf den Kalziumhaushalt. Sowohl die Aufnahme aus dem Darm, als auch die Freisetzung aus den Knochen ist verringert, was zu einem Kalziummangel führt. Krämpfe oder Krampfanfälle können die Folge sein. Die Unterfunktion der Nebenschilddrüse lässt häufig im Lauf der Zeit nach.1
  • Herzfehler:
    Die meisten Herzfehler betreffen die Hauptschlagader oder den Teil des Herzens, an dem die Hauptschlagader ansetzt. Bei manchen Patienten können schwere Herzfehler vorliegen, bei anderen hingegen überhaupt keine.1
  • Anomalien der Thymusdrüse:
    Die Unterentwicklung oder unvollständige Entwicklung der Thymusdrüse führt dazu, dass sie kleiner als normal ist und eine geringere Menge der als T Zellen bezeichneten Immunzellen produziert. T Zellen vernichten nicht nur infizierte Zellen, sondern sie helfen den B Zellen auch dabei, sich zu Plasmazellen zu entwickeln und Antikörper zu produzieren. Durch den Thymusdefekt können Kinder mit DiGeorge-Syndrom anfällig für Infektionskrankheiten sein1
  • Autoimmunerkrankungen:
    Patienten mit einem DiGeorge-Syndrom entwickeln häufiger Autoimmunerkrankungen als die Allgemeinbevölkerung. Bei einer Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem den eigenen Körper an.1
  • Weitere klinische Merkmale:
    Bei Patienten mit einem DiGeorge-Syndrom können auch andere Entwicklungsstörungen wie eine Gaumenspalte auftreten. Hieraus resultieren eine gestörte Gaumenfunktion, Sprachverzögerungen sowie Schwierigkeiten beim Füttern und Schlucken. Bei manchen Betroffenen kommt es zusätzlich auch zu Lernschwächen, Verhaltensproblemen, psychiatrischen Erkrankungen und Hyperaktivität.1

Diagnose und Behandlung

In der Vergangenheit wurde ein DiGeorge-Syndrom auf Basis der oben beschriebenen Merkmale diagnostiziert. Bei Patienten mit einem DiGeorge-Syndrom sind aber nicht nur unterschiedliche Organe und Gewebe betroffen, sondern die Organe und Gewebe können auch unterschiedlich stark geschädigt sein. Deshalb werden leichtere Ausprägungen des Syndroms häufig übersehen, wenn die Diagnose einzig auf der Basis der Symptome gestellt wird. Seit einigen Jahren wird nun für die Diagnosestellung zusätzlich ein zellgenetischer Schnelltest durchgeführt, der das Fehlen der Gensequenz, welche bei 90% der Patienten für die Krankheit verantwortlich ist auf dem Chromosom 22 nachweist. Bei dem restlichen Anteil der Patienten ohne diesen Gendefekt wird die Diagnose auf Basis der klinischen Merkmale gestellt.

 

Louis-Bar-Syndrom (Ataxia telangiectasia)

Definition

Das Louis-Bar-Syndrom ist ein primärer Immundefekt, der eine Reihe von Organen betrifft. Es wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursächlich dafür sind Mutationen in einem Gen, das auf dem langen Arm von Chromosom 11 liegt. Zu den Symptomen zählt eine Immunschwäche der T‑ und B‑Lymphozyten, welche eine erhöhte Infektanfälligkeit mit sich bringt.

Das Louis- Bar-Syndrom ist durch neurologische Auffälligkeiten gekennzeichnet, die zu einem unsicheren Gang, erweiterten Blutgefäßen in den Augen und der Haut, Immundefekten in Bezug auf die T und B Lymphozyten und eine erbliche Veranlagung für Krebserkrankungen führen.

Symptome

Das erste Symptom ist meist eine Ataxie. Dieser medizinische Fachbegriff steht für einen unsicheren Gang, welcher offensichtlich wird, wenn das Kind zu laufen beginnt. Weitere Symptome, welche durch Störungen im Gehirn verursacht werden, umfassen motorische Störungen bei den Augenbewegungen sowie Schwierigkeiten, die für das Sprechen und Schlucken erforderlichen Muskeln zu verwenden.

Durch die erweiterten Blutgefäße wirken die Augäpfel blutunterlaufen. In selteneren Fällen sind erweiterte Blutgefäße auch an Ohren, Hals und Gliedmaßen zu erkennen.

Bei Patienten mit Louis-Barr- Syndrom kommt es auch zu wiederkehrenden Infektionen durch Bakterien und Viren, die vor allem Lunge und Nasennebenhöhlen betreffen. Dieses erhöhte Infektionsrisiko ist zum Teil bedingt durch Schluckbeschwerden, die dazu führen können, dass Nahrung und Flüssigkeiten nicht in die Speiseröhre, sondern in die Luftröhre gelangen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose des Louis-Bar-Syndroms basiert im Wesentlichen auf den wichtigsten klinischen Merkmalen (unsicherer Gang, erweiterte Blutgefäße, abnormale Augenbewegungen und Sprachstörungen). Labortests können bei der Diagnosestellung hilfreich sein, vor allem im frühen Kindesalter, wenn die Blutgefäße noch nicht erweitert sind.

Die Labortests umfassen:

Messung des sogenannten „fetalen Eiweißes“ (Alpha-1-Fetoprotein) im Blut. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten, die älter als 18 – 24 Monaten sind liegt dieses in erhöhter Konzentration vor.

  • Zur Absicherung der Diagnose wird das Fehlen des Proteins, welches durch das betroffene Gen produziert wird, nachgewiesen.
  • Messung von Zellschäden nach einer Exposition gegenüber Röntgenstrahlen
  • Untersuchung des betroffenen Gens auf genetische Fehler (Mutationen)

Ihr Arzt wird entscheiden, welche Behandlung individuell für Sie die richtige ist und auf welche spezifischen gesundheitsrelevanten Anforderungen bei Ihnen zu achten ist.

Quelle: 

http://www.immundefekt.de/, http://www.immundefekte.info/immundefekt/index.php

 

(Ziel dieser Website ist es zu informieren und auf andere Portale zum Thema Immundefekte aufmerksam zu machen. Die Inhalte dienen keiner medizinischen Beratung und basieren auf Informationen Dritter.)